Obamas Sieg – Datenbanken und Algorithmen haben Regie geführt

© fractalia – Fotolia.com

Nicht politisches Verständnis und kommunikatives Genie haben Barack Obama zum Sieg verholfen, sondern schlichte Mathematik. Davon sind Experten überzeugt. Das Wahlkampfteam von Barack Obama hat gigantische Datenbanken aufgebaut, hinzugekauft und mit ausgeklügelten Algorithmen verknüpft und ausgewertet. Nach diesen Auswertungen wurde festgelegt, welcher Wähler zu welchem Zeitpunkt welche Inhalte per E-Mail oder SMS bekam. Sie entschieden darüber, wo und wann Barack Obama, seine Frau Michelle oder Vizepräsident Joe Biden eine Wahlkampfrede hielten oder Spenden einwarben.

Die besseren Wählerdatenbanken und die clevereren Statistiker waren DER Schlüsselfaktor für den Wahlsieg von Barack Obama.

Im diesjährigen Wahlkampf erreichte die Datenanalyse dabei eine neue Dimension.

So stellten die Kandidaten bereits vor ihren Auftritten sicher, dass sie sich mit ihren Themen auch tatsächlich an den Interessen der Anwesenden ausrichteten. Deren Personenprofile waren vorab akribisch ausgewertet worden. Die Wahlkampfhelfer vor Ort erhielten über Smartphones Adressen noch unentschlossener Haushalte, bei denen sich ein Wahlkampfbesuch lohnte. Haushalte, die sich schon für eine der beiden Seiten entschieden hatten, wurden ausgeblendet. Die Ergebnisse ihrer Gesprächen meldeten die Helfer direkt per Smartphone an die Datenbanken zurück. So konnte die Strategie für kommende Aktionen in Echtzeit optimiert werden. Aktivitäten und Informationen aus der Offline- und Onlinewelt wurden miteinander verbunden, die beiden bisher vertrauten Kategorien bis zur Unkenntlichkeit miteinander verschmolzen.

Der Focus schreibt dazu:

„Datenerfassung mit Wahlkampf-Apps, detaillierte Auswertung von Facebook, Twitter, E-Mails und SMS – der digitale Stimmenfang hat die US-Wahl entschieden. Gegen Barack Obamas Zahlenakrobaten war Mitt Romney machtlos.“

Der Journalist Richard Gutjahr war vor Ort und schilderte seine Eindrücke Data Mining – Obama und der Datenbergbau:

„Was ich gesehen habe, hinterließ mich teilweise ratlos. Dass Daten der Rohstoff der Zukunft sind, ist bekannt. Das Ausmaß, mit dem Behörden, Konzerne aber eben auch Parteien heute schon sog. „Datamining“ (Datenbergbau) betreiben, verschlägt mir die Sprache.“

Als Schlüsselfaktor kristallisiert sich heraus, dass im letzten Wahlkampf noch getrennte Informationsquellen miteinander verknüpft wurden. Meldeamtsdaten, Wählerverzeichnisse, Twitter- und Facebook-Informationen, Likes und Retweets, Protokolle von Hausbesuchen, E-Mail-Korrespondenz, Spenderadressen und Kontodaten wurden mit Hilfe ausgeklügelter Algorithmen ausgewertet. Eine Prozedur, die unter dem Schlagwort Big Data und Datamining auch in Deutschland aktuell ist. Komplettiert wurden die Informationen durch detaillierte Verbraucherinformationen, die bei Adresshändlern und Kreditkartenunternehmen dazugekauft worden waren.

Auf diese Entwicklung müssen auch wir hier in Deutschland uns einstellen. Sie kann der Gesellschaft helfen, sich auf dem Pfad der sozialen Marktwirtschaft weiterzuentwickeln – sie kann aber auch dazu eingesetzt werden, deren Prinzipien auszuhebeln. Es kommt darauf an, wie Bürger, Wirtschaft und Staat auf Augenhöhe miteinander agieren und wie für die richtige Balance im Machtgefüge hergestellt wird. Wirtschaft und Staat haben die Chancen der neuen Technologien erkannt und nutzen sie bereits. Die Zivilgesellschaft ist aufgefordert, ihre Interessen in diesem Prozess klarer zu formulieren und zu vertreten. Allein die Hoffnung auf Selbstregulierung der Wirtschaft und wirksamen Schutz des einzelnen Bürger durch den Staat reichen nicht aus. Die Meldungen zum Thema, Telefónica wolle Bewegungsprofile vermarkten, und das Stichwort Meldeamtsdaten zeigen den Entwicklungspfad, auf dem wir uns bewegen. Dabei kommt es auf die Aktivität des Einzelnen an: Wenn die Daten über jeden Einzelnen der Rohstoff der Zukunft ist, dann soll jeder Bürger selbstbewusst und eigenverantwortlich darüber entscheiden, was mit seinen Daten passiert, wer sie nutzen darf und wer nicht.

Linkempfehlungen:

Schufa 2.0: Die Social-Scoring-Abfrage kommt – Richard Gutjahr

You for Sale: Mapping, and Sharing, the Consumer Genome – New York Times

Datenhandel in Deutschland

Plädoyer für eine Algorithmen-Ethik Relevanz ist alles – DIE ZEIT

Die Verwässerer – Es rollt ein Angriff auf das deutsche Datenschutzgesetz. – DIE ZEIT

Personal data used to get out the votehttp://www.jsonline.com

Siegen durch Auswerten Blog: Datenschutzbeauftragter

Update 14.11.2012

Der CDU-Bundesgeschäftsführer Klaus Schüler hat in der Wirtschaftswoche angekündigt: „Wir werden im Bundestagswahlkampf stärker auf soziale Netzwerke und Internet-TV setzen“. Das soll wie folgt vorgegeangen werden: „Wir müssen die Werbung besser darauf zuschneiden, wo die Leute wohnen und was da die Themen sind“. Lassen wir uns überraschen, wie die Umsetzung dann konkret aussieht. Auch hierzulande gibt es genügend Daten auf die aufgesetzt werden könnte, wenn auch nicht alles geht, was in den USA möglich ist.

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