Air Berlin – Treue Kunden sollen die Sanierung bezahlen

Mehr als 3 Mio. treue Kunden nehmen am kostenlosen Vielfliegerprogramm „topbonus“ von Air Berlin teil. Die Fluggesellschaft bietet damit „Meilen sammeln, Vorteile genießen“ sowie „glänzende Aussichten und goldene Zeiten“ an. Kundenbindung war bisher das Ziel des Programmes. Air Berlin ist jedoch von „glänzende Aussichten und goldene Zeiten“ inzwischen weit entfernt. In seiner Not und unter der erdrückenden Schuldenlast von über 800 Mio. Euro hat Air Berlin das Ziel des Vielfliegerprogramms offenbar neu definiert. Es mutiert vom Rabattprogramm für Kunden zum Schuldentilgungsprogramm für Air Berlin. Treue Kunden die bisher Rabatte bekommen haben sollen nun die Sanierung von Air Berlin bezahlen – mit ihren Daten und Nutzerprofilen.

Die angesammelten Nutzerdaten seiner treuesten Kunden sind ein Schatz für Air Berlin, den es nun zu heben gilt. Wer fliegt wann wohin ist dabei noch die naheliegendste Information. Interessant wird der Datenpool durch die Daten der angeschlossenen 120 Partnerunternehmen. Übernachtungen, Mietwagenfahrten, Einkaufsdaten und Angaben über die Kreditwürdigkeit (Kreditkarten), Versicherungsleistungen (Ergo), Verwaltung von Privatkonten (Postbank), Tankvorgänge geben ein umfassendes Nutzerprofil, welches sich beliebig mit Daten aus dem Adress- und Datenhandel anreichern lässt.

Quelle: Webseite Air Berlin

Der Verkauf der Kundendaten ist beschlossene Sache, ein Investor ist bereits gefunden. Die Einnahmen sollen helfen, den Schuldenberg bis zum Jahresende um 350 Mio Euro zu senken. In einem vergleichbaren Vorgang, dem Verkauf der Kundenkarte Payback an das Kreditkartenunternehmen American Express, wurde gingen die Nutzerprofile von 18 Mio. Teilnehmer für 500 Mio. über die Ladentheke. Das sind ca. 28 Euro pro Person. Übertragen auf Air Berlin es ist ein Erlös von ca. 100 Mio Euro realistisch. Die Kooperation mit American Express im Rahmen des topbonus – Programms bietet Raum für die Vermutung, dass American Express nun seine Datenbanken aus dem Paybackverkauf über den Zukauf der Nutzerdaten aus dem Air Berlin Programm auffüllt. Zum Ende des Jahrs soll die Transaktion abgeschlossen sein.

Standpunkt: Wir meinen, dass personenbezogene Daten aus dem Vielfliegerprogramm zweckgebunden nur in dem Kontext verwendet werden dürfen, in dem sie erhoben worden sind. Das bedeutet für Air Berlin, dass sie zur Gewährung von Rabatten, Sonderangeboten o.ä. für Kunden zum Einsatz kommen sollen. Über die Nutzung von Kundenprofilen der Vielflieger als Währung zur Schuldentilgung sollten die Betroffenen selbst entscheiden können. Erst dann können sie an Dritte verkauft werden.

PS: SAFE-ADDRESS setzt sich dafür ein, dass Verbraucher selbst über die Verwendung ihrer Daten bestimmen und empfiehlt, dass Teilnehmer des Vielfliegerprogrammes von Air Berlin die Nutzung ihrer Kundenprofile zur Schuldentilgung verbieten. Dazu sind im Bundesdatenschutzgesetz wirksame Rechte verankert. SAFE-ADDRESS unterstützt Verbraucher dabei. An dieser Stelle können Sie der Weitergabe Ihrer Daten widersprechen.

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