Kirchenunternehmen machen Profit mit Verkauf von Kundendaten (I)

Teil 2: Datenhandel durch Kirchenunternehmen – regionale Kirchenzeitungen (II)
Teil 3: Katholische Kirche – weltlicher Datenhandel mit göttlichem Segen? (III)

© Bernd S. – Fotolia.com

Das religiöse Bekenntnis des Einzelnen unterliegt einem besonderen Schutz. Das ist auch gut so, denn es ist eine höchst private Entscheidung, ob und an wen jemand glaubt. Doch einige kirchennahe und kirchliche Unternehmen scheinen davon nichts zu halten. Sie verkaufen die Daten ihrer Kunden.

Beim Umgang mit den Daten ihrer Kunden opfern sie das religiöse Wertesystem zugunsten ihrer wirtschaftlichen Interessen. Sie bewerten den Bedarf der Wirtschaft nach neuen Nutzerdaten höher als die Schutzinteressen der Gläubigen und verkaufen ihre Kundendaten über Adresshändler. Diese Vorgehensweise ist legal und erfolgt allzu häufig ohne Wissen der Betroffenen. Ihr Einverständnis dazu ist nicht erforderlich. Grundlage für den Datenhandel ist das im Bundesdatenschutzgesetz verankerte Listenprivileg.

Dieses Vorgehen trifft Kirchen, Religion und Gläubige im Herzen. Mit ihren Wertesystemen sind Kirchen und Religionen für die Gläubigen ein Vertrauensanker in unserer sich schnell verändernden, globalisierten Gesellschaft. Viele Menschen haben in Religion und Kirche eine geistige, emotionale und Werte orientierte Heimat gefunden, in der sie Halt und Stärke finden sowie Rat und Lebenshilfe bekommen. Der soziale Sektor unserer Gesellschaft wird aktiv vom Engagement der Kirchen geprägt.

Genau in diesen geschützten und vertrauenswürdigen Raum ist nahezu unbemerkt der Datenhandel vorgedrungen.

Als Verkäufer von sogenannten Adresslisten treten besonders Unternehmen aus dem katholischen Umfeld in Erscheinung. Die Daten werden über Auslage von Prospekten und Werbung in kirchlichen Einrichtungen und durch Direktmailing-Aktionen gesammelt oder stammen aus den eigenen Kundendatenbanken. Nachfolgend eine Übersicht zu den Arten von kirchlichen Unternehmen, die Kundenadressen verkaufen. Die anbietenden Unternehmen selbst werden in Folgeartikeln vorgestellt.

  • Relativ kleine, jedoch hochwertige Adresslisten verkaufen die Verlage regionaler Kirchenzeitungen. Aktive und inaktive Abonnenten sind im Angebot, auch sogenannte Premiumselektionen.
  • Kleinere und mittlere kirchennahe Versandhändler bieten ihre Kundenadressen am Markt an.
  • Der größte kirchliche Anbieter von Kundendaten ist der Weltbild Verlag. Er gehört zu den bundesweit größten Anbieter von Kundendaten überhaupt. Die Vermarktung der Daten erfolgt im Rahmen einer exklusiven Zusammenarbeit mit der Firma AZ Direct, einem Unternehmen der Bertelsmann AG. Der Bestand an Kundendaten ist so umfangreich und vielfältig, dass AZ Direct einen eigenen Katalog für die Kundendaten von Weltbild zusammengestellt hat.

Am Beispiel dieser Unternehmen wird deutlich, dass der Handel mit Adressen und Nutzerprofilen nicht allein die Angelegenheit von großen Versandhändlern oder Telekommunikationsunternehmen ist. Auch Nischenanbieter wie regionale Kirchenzeitungsverlage oder kirchennahe Versandhändler für religiöse Produkte beliefern den Markt für Adressdaten. Nicht nur die Nutzer von Plattformen wie Facebook und Co. sowie die Kunden von Versandhändlern wie der Otto Group sind Objekte im großen Datenhandel. Auch Menschen, die sich bewusst in den geschützten Raum von Religion und Kirche begeben, sind betroffen. Sie können sich nicht sicher sein, dass kirchliche Unternehmen ihre Daten gut schützen und nicht verkaufen.

Anmerkung: Wir sind davon überzeugt, dass personenbezogene Daten – Adressangaben und Kundenprofile – zweckgebunden sind und nur in dem Kontext verwendet werden dürfen, in dem sie erhoben worden sind. Das bedeutet für kirchliche Unternehmen, dass sie ausschließlich zur Abwicklung der Kundenbeziehung zum Einsatz kommen sollen. Die Weitergabe an Dritte auf dem Weg des Adress- und Datenhandels ist nur dann im Interesse der Betroffenen, wenn sie dem ausdrücklich und wissentlich zugestimmt haben. (Opt In)

PS: SAFE-ADDRESS setzt sich dafür ein, dass Verbraucher selbst über die Verwendung ihrer Daten bestimmen, und empfiehlt, dass Kunden den kirchlichen Unternehmen den Handel mit ihren Adressdaten und Kundenprofilen verbieten. Dazu sind im Bundesdatenschutzgesetz wirksame Rechte verankert. SAFE-ADDRESS unterstützt Verbraucher dabei, ihre Rechte wahrzunehmen. Sie können gegenüber Unternehmen in deren Datennutzung einwilligen, ihr widersprechen, Auskunft zu gespeicherten Daten anfordern oder sie auch löschen lassen.

Teil 2: Datenhandel durch Kirchenunternehmen – regionale Kirchenzeitungen (II)
Teil 3: Katholische Kirche – weltlicher Datenhandel mit göttlichem Segen? (III)

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4 Gedanken zu „Kirchenunternehmen machen Profit mit Verkauf von Kundendaten (I)

  1. Pingback: Bingo! Financial Times – 42.000 Kundendaten verkauft | SAFE-ADDRESS

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