Neckermann – Kundendaten auf dem Grabbeltisch

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Durch die Insolvenz von Neckermann sind die Kundendaten auf dem Grabbeltisch des Insolvenzverwalters gelandet. Im November hat sich der Versandhändler OTTO im Bieterwettkampf gegen andere Unternehmen durchgesetzt und sich den Zugriff auf die Nutzerdaten gesichert. Wie schon beim Verkauf von Kundendaten durch Air Berlin werden auch hier Schulden des Unternehmens mit den Nutzerprofilen bezahlt. Die Privatsphäre der Kunden kommt unter den Hammer und wird an den Meistbietenden versteigert. Selbstverständlich werden dabei die gesetzlichen Vorgaben zum Datenschutz eingehalten. Doch am Ergebnis ändert das nichts für den Verbraucher: Seine Daten gelangen in die Verfügung eines Unternehmen, mit er möglicherweise nie zu tun hatte.

Mit diesem Deal erhält OTTO Zugang zu einer der größten Kundendatenbanken in Deutschland mit mindestens 5.000.000 Kundenprofilen. Das ist die Zahl der Kundenadressen, die Neckermann bisher über das Listenprivileg am Markt verkauft. Zusätzliche Daten von Kunden, deren Kaufzeitpunkt länger als 24 Monate zurückliegt, gibt es auf Anfrage. Die Selektion der Kundendaten nach Kaufverhalten (Große Größen, Baby, Möbel, etc.), weiteren Merkmale wie Alter, PLZ etc., Internetbesteller und Konditionen für gescorte Adressen ist gegen Aufpreis im Angebot.

Quelle: AZ Direct Produktblatt

Manchen erscheint der Wert von Kundendaten auf den ersten Blick banal und nicht besonders schutzwürdig. Es wird jedoch oft übersehen, dass neben der Adresse und dem jeweiligen Einkauf im Zusammenhang mit der Kundenbeziehung noch viele weitere Kundendaten anfallen. Angaben zu Umzugsadressen, Telefonnummern, E-Mail-Adresse, detaillierte Angaben zum Einkaufsverhalten (was, wann, wie), Angaben über Ratenkredite, mögliche Zahlungsausfälle, Beschwerde-, Rückgabe- und Umtauschverhalten sind weitere Angaben, die das Nutzerprofil komplettieren. Diese Informationen können entsprechend den gesetzlichen Regelungen weitergegeben werden und finden auf dem Markt für Kundendaten ihre Abnehmer. Sie dienen zum Beispiel als Quelle für Umzugsinformationen für die Personen, die sich nicht über die Umzugsmeldung der Deutschen Post AG ummelden. Oder es wird die Anreicherung von Adressen mit Telefonnummern angeboten. Im Fachjargon wird das folgendermaßen beschrieben:

Quelle: Pressemitteilung Adressexpert

Für den OTTO Konzern ist der Zugang zu den Daten in mehrfacher Hinsicht wertvoll.

  1. Möglichkeit zur Akquise von Neukunden und maßgeschneiderte Werbung auf Basis der Nutzerprofile,
  2. Wettbewerbern kann der Zugang zu den Daten verwehrt werden,
  3. Ergänzung vorhandener Datensätze um Zusatzinformationen – die Otto Unternehmensgruppe gehört zu den größten Händlern von Adressen und Nutzerprofilen auf dem deutschen Markt. Über den Zugang zu den Neckermanndaten können bereits vorhandene eigene Datenbanken im Wert für Otto gesteigert werden:

Standpunkt: Wir sind überzeugt, dass personenbezogene Daten der Kunden von Neckermann zweckgebunden nur in dem Kontext verwendet werden dürfen, in dem sie erhoben worden sind. Das bedeutet für Neckermann, dass der Verkauf von Kundenprofilen als Währung zur Schuldentilgung nur dann erfolgt, wenn die Betroffenen dem zugestimmt haben. Andernfalls werden die Daten gelöscht bzw. wenn das nicht möglich ist, gesperrt.

PS: SAFE-ADDRESS setzt sich dafür ein, dass Verbraucher selbst über die Verwendung ihrer Daten bestimmen und empfiehlt, dass Neckermann-Kunden die Nutzung ihrer Kundenprofile zur Schuldentilgung verbieten. Dazu sind im Bundesdatenschutzgesetz wirksame Rechte verankert. SAFE-ADDRESS unterstützt Verbraucher dabei. Über das Portal können Sie der Weitergabe Ihrer Daten widersprechen oder sie löschen lassen.

Update 19.12.12: Nach einem Bericht von etailment kann Neckermann „gegenwärtig weiterhin einer kleinen Anzahl anderer Firmen erlauben, die Adress- oder E-Mail-Daten zu nutzen.“ Im vorliegenden Fall wurden Sie dem Versandhandelsunternehmen Pearl zur verfügung gestellt.

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ein passender Artikel auf einem anderem Blog: Wer Betten kauft, interessiert sich auch für Fernsehen – OTTO verkauft Kundendaten

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4 Gedanken zu „Neckermann – Kundendaten auf dem Grabbeltisch

  1. Pingback: Bingo! Financial Times – 42.000 Kundendaten verkauft | SAFE-ADDRESS

  2. Pingback: Bingo! Financial Times – 42.000 Kundendaten verkauft | SAFE-ADDRESS

  3. Und wie kann ich mich nun genau dagagen zur Wehr setzen? Mich nervt es, dass meine Daten zur Ware werden und, dass wir nun UNMENGEN an Werbung von bisher unbekannten und auch ungewollten Versandthändlern erhalten!

    • Über unser Portal SAFE-ADDRESS können Sie Unternehmen einfach verbieten, Ihnen weiter Werbung zu senden. Im Portal auf der linken Seite das Unternehmen heraussuchen und anklicken. Dann erscheint rechts im Fenster die Funktion „Gespeicherte Daten kostenlos löschen“. Funktion auswählen, dann bei SAFE-ADDRESS anmelden, und schon geht an das Unternehmen ein entsprechendes Schreiben mit Ihrer Lösch-Aufforderung. Und wenn es Probleme gibt, einfach uns Bescheid geben.

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