Datenhandel durch Kirchenunternehmen – regionale Kirchenzeitungen (II)

Teil 1: Kirchenunternehmen machen Profit mit Verkauf von Kundendaten (I)
Teil 3: Katholische Kirche – weltlicher Datenhandel mit göttlichem Segen? (III)

© Bernd S. - Fotolia.com

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Im ersten Teil des Artikels „Kirchenunternehmen machen Profit mit Verkauf von Kundendaten (I)“ haben wir allgemein beschrieben, auf welcher Basis kirchliche Unternehmen mit den Daten ihrer Kunden handeln. Nun stellen wir die entsprechenden kirchlichen Unternehmen selbst und ihre Adressangebote vor. Während der Recherchen zu diesem Artikel wurden einige der nachfolgend aufgeführten Angebote durch AZ Direct aus dem dazugehörigen Adresskatalog entfernt. Wir wollen nicht ausschließen, dass dies Reaktion auf unseren ersten Artikel und auf unsere Anfragen beim Kommissariat der deutschen Bischöfe war.

Regionale Kirchenzeitungen

Die Daten der Abonnenten einiger regionaler Kirchenzeitungen werden über Datenhändler verkauft.

Der Datenhandel erfasst damit auch die Nischen, in denen man ihn nicht vermutet. Selbst Mitglieder von Kirchengemeinden stehen im Fokus der Datenhändler. Als Leser regionaler Kirchenzeitungen gelangen ihre Daten beispielsweise aus den Datenbanken von Verlagen in die Hände von Datenhändlern. Die Gläubigen rechnen wohl nicht im Entferntesten damit, Objekt der Begierde von Datenhändlern zu sein. Doch in einigen kirchlichen Verlagen konnte sich das religiöse Wertesystem nicht gegen die wirtschaftlichen Interessen der Unternehmensleitung behaupten. Besonders sichtbar wird diese Entwicklung für katholische Unternehmen.

Laut den Werbeprospekten für Adresslisten werden zumeist Daten über Menschen angeboten, die „dem engagierten Teil der katholischen Pfarrgemeinden zuzurechnen, zu 80 Prozent älter als 45 Jahre, verheiratet, solide in ihrer Lebensführung und primär konservativ orientiert“ sind. „Die wichtigste Aufgabe der Kirchenzeitung ist die Hilfestellung im Glaubensalltag.“ So steht es in den Werbeunterlagen der Firma AZ Direct zum Verkauf von Kundendaten regionaler Kirchenzeitungen, wie dem Bonifatiusboten, der Bistumszeitung aus Fulda. Darin werden die Adressen zum Einsatz bei gemeinnützigen Organisationen (z.B. zur Spendenwerbung) oder bei Unternehmen mit „seriösen“ Angeboten empfohlen.

Die Datenbestände der Kirchenverlage sind aktuell, sie werden in kurzen Zeitabständen regelmässig gepflegt. Namens- und Adressänderungen durch Umzüge sind schnell für Adresshändler verfügbar. Im Angebot sind teilweise auch die Adressen von Lesern, die ihr Abo gekündigt haben (passive Abonnenten). Diese Vorgehensweise ist legal und erfolgt in der Regel ohne Wissen der Betroffenen. Ihr Einverständnis dazu ist nicht erforderlich. Grundlage für den Datenhandel ist das im Bundesdatenschutzgesetz verankerte Listenprivileg.

Die Leser der unten aufgeführten Kirchenzeitungen sind vom Datenverkauf betroffen. Nicht auszuschließen ist, dass die Daten der Abonnenten weitere Kirchenzeitungen von Adresshändlern verkauft werden. Am besten, Sie fragen dazu vor Ort nach. Quelle der hier aufgeführten Adressverkäufer ist ein Adressenkatalog von AZ Direct, einem Unternehmen des Bertelsmann-Konzerns. Sie können einige Angebote direkt im Katalog nachschlagen (bitte dazu die angegebene Seite eingeben), andere erhalten Sie als PDF-Download, da sie vor kurzem aus dem Katlaog entfernt wurden. Wir recherchieren den aktuellen Stand, ob die Adressen nicht mehr verkauft werden oder nur das Angebotsblatt aus dem Katalog entfernt worden ist. (Der Adresskatalog von AZ Direct kann übrigens nicht von mobilen Apple-Geräten abgerufen werden, da dort das erforderliche Adobe-Plugin nicht verfügbar ist.)

Quelle Kirchenzeitung Anzahl verfügbarer Adressen
Bonifatiusbote (PDF) Bonifatiusbote, katholische Bistumszeitung Fulda 7.000 aktive Abonnenten
5.000 Premiumselektion
Der Dom (PDF) Der Dom, katholische Kirchenzeitung Paderborn 43.000 aktive Abonnenten
27.000 Premiumselektion
Der Sonntag (PDF) Der Sonntag, Bistumszeitung Limburg 7.500 aktive Abonnenten
5.000 Premiumselektion
Seite 194 Katholische Wochenzeitung
TAG DES HERRN
37.200 Abonnenten
Kirche und Leben (PDF) Kirche und Leben, Münster 70.000 Abonnenten
Kirchenbote (PDF) Kirchenbote Osnabrück 23.000 aktive Abonnenten
8.500 passive Abonnenten
27.000 Premiumselektion
Kirchenzeitung Siegburg (PDF) Kirchenzeitung Erzbistum Köln, Raum Siegburg 7.500 aktive Abonnenten
5.000 Premiumselektion
Kirchenzeitung Hildesheim (PDF) Kirchenzeitung Erzbistum Hildesheim 13.000 aktive Abonnenten
10.000 Premiumselektion
Kirchenzeitung Köln (PDF) Kirchenzeitung Erzbistum Köln, Raum Köln 33.000 aktive Abonnenten
54.000 passive Abonnenten
30.000 Premiumselektion
Seite 203 Kirchenzeitung St. Michaelisbund, München 25.600 aktive Abonnenten
Konradsblatt Freiburg (PDF) Konradsblatt Freiburg 45.000 aktive Abonnenten
25.000 Premiumselektion

Allein AZ Direct hat insgesamt 2600 Datenbanken (sogenannte Adresslisten) mit Kundenadressen im Angebot. Nur ein geringer Anteil von ca. 15% sind über den Internetkatalog einsehbar. Falls Sie weitergehende Informationen über den Adresshandel Ihrer Kirchenzeitung haben, senden Sie sie uns bitte an blog@safe-address.de. Wir arbeiten sie dann in den Artikel ein.

Unser Standpunkt: Wir sind davon überzeugt, dass personenbezogene Daten und dazu gehörende Adressangaben und Kundenprofile zweckgebunden nur in dem Kontext verwendet werden dürfen, in dem sie erhoben worden sind. Das bedeutet auch für kirchliche Unternehmen, dass sie ausschliesslich zur Abwicklung der Kundenbeziehung zum Einsatz kommen sollen. Die Weitergabe an Dritte auf dem Weg des Adress- und Datenhandels ist nur dann im Interesse der Betroffenen, wenn sie dem ausdrücklich und wissentlich zugestimmt haben (Opt In).

PS: SAFE-ADDRESS setzt sich dafür ein, dass Verbraucher selbst über die Verwendung ihrer Daten bestimmen, und empfiehlt, dass Kunden den kirchlichen Unternehmen den Handel mit ihren Adressdaten und Kundenprofilen verbieten. Dazu sind im Bundesdatenschutzgesetz wirksame Rechte verankert. SAFE-ADDRESS unterstützt Verbraucher dabei, ihre Rechte wahrzunehmen. Sie können gegenüber Unternehmen in die Datennutzung einwilligen, ihr widersprechen, Auskunft zu gespeicherten Daten anfordern und sie auch löschen lassen.

Dazu passende Artikel:

Teil 1: Kirchenunternehmen machen Profit mit Verkauf von Kundendaten (I)
Teil 3: Katholische Kirche – weltlicher Datenhandel mit göttlichem Segen? (III)

DIE ZEIT als Datenverkäufer

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6 Gedanken zu „Datenhandel durch Kirchenunternehmen – regionale Kirchenzeitungen (II)

  1. Pingback: Kirchenunternehmen machen Profit mit Verkauf von Kundendaten (I) | SAFE-ADDRESS

  2. Nun, warum sollten die Verlage keine Adresse verkaufen. Das ist doch alles nur Geschäft. Solange der Handel mit Adresse vom Gesetzgeber nicht verboten wird, wird das ein lukratives Geschäft bleiben.

  3. @Harald
    Hier werden jedoch die Geschäfte zulasten der informationellen Selbstbestimmung der Betroffenen gemacht. Der Kunde und Leser wird mit seinen Daten zum handelbaren Objekt degradiert. Auch wenn die Geschäft rechtlich korrekt sind, entspricht dies wohl nicht dem ethischen Anspruch der Kirchen.

    Wir wollen Aufklärung leisten und es Verbrauchern, Lesern, Kunden erleichtern, ihre Rechte nutzen. Wir sind der Überzeugung, dass dies der Adresshandel nicht ohne vorherige informierte Zustimmung der Betroffenen geschehen soll. Im vorliegenden Fall müssen die Betroffen jedoch weder Kenntnis davon haben noch ihre Zustimmung geben.

  4. Pingback: Katholische Kirche – weltlicher Datenhandel mit göttlichem Segen? (III) | SAFE-ADDRESS

  5. Pingback: Schwangere und Säuglinge im Focus von Datenhändlern (I/3) | SAFE-ADDRESS

  6. Pingback: Kinder im Focus von Datenhändlern (II/3) | SAFE-ADDRESS

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