Katholische Kirche – weltlicher Datenhandel mit göttlichem Segen? (III)

Teil 1: Kirchenunternehmen machen Profit mit Verkauf von Kundendaten (I)
Teil 2: Datenhandel durch Kirchenunternehmen – regionale Kirchenzeitungen (II)

© Bernd S. - Fotolia.com

© Bernd S. – Fotolia.com

Die römisch-katholische Kirche in Deutschland gehört über ihre Weltbild Verlagsgruppe inzwischen zu den Marktführern beim Handel mit Verbraucherdaten. In dieser Rolle lässt Weltbild die Daten seiner 5 Millionen Kunden exklusiv über das zum Bertelsmann Konzern gehörende Unternehmen AZ Direct vermarkten. Betroffen sind Kundendaten der Marken Weltbild (Buchhandel), Joker (anspruchsvolle Vielleser) und KIDOH (junge Familien). Laut seiner Internetseite wird das Handeln des Weltbild Konzerns von der „Verantwortung gegenüber Kunden, Gesellschaftern, Mitarbeitern und der Öffentlichkeit“ geprägt. „Christliche Weltanschauung mit den Erfordernissen des Marktes überzeugend in Einklang zu bringen, heißt die tägliche Herausforderung. Die Orientierung an Werten ist Maßstab.“ (Quelle: www.weltbild.com)

Offenbar haben sich hier die wirtschaftlichen Profitinteressen der katholischen Kirche gegen die Verantwortung für die Privatsphäre ihrer Kunden durchgesetzt. Diese Entscheidung haben sich auch einige regionale Kirchenzeitungen als Vorbild genommen, die auf dem gleichen Weg einen regen Datenhandel mit den Profildaten ihrer Leser betreiben.

Die Vorgehensweise ist legal und erfolgt in der Regel ohne Wissen der Betroffenen. Ihr Einverständnis dazu ist nicht erforderlich. Die gesetzliche Grundlage ist das im Bundesdatenschutzgesetz verankerte Listenprivileg. Weltbild agiert bezüglich der gesetzlichen Regelung besonders kreativ. Um die Privatsphäre der Verbraucher zumindest etwas zu schützen, schreibt der Gesetzgeber vor, dass die Kundenadressen nur mit einem Merkmal angereichert und verkauft werden dürfen. Die Datenbanken von Weltbild lassen jedoch die Bildung wesentlich detailliertere Kundenprofile zu. Weltbild und AZ Direct haben deshalb einen Katalog mit insgesamt 31 Adresslisten zusammengestellt, die die Vorlieben der Kunden über je ein Merkmal mehrmals beschreiben. Daraus entstehen 25 Millionen Datensätze, in denen jeder der 5 Millionen Weltbild-Kunden durchschnittlich auf 5 der nachfolgend aufgeführten Listen verzeichnet ist – Link zum Original-Adresskatalog. Aus einer Auswahl von 240 Sondermerkmalen pro Adresse wie Bonität, Konsumverhalten, Wohndauer und Einkommensniveau bietet AZ Direct zusätzliche Informationen zum Kauf an.

WELTBILD
WELTBILD Besinnung
WELTBILD Englisch für Erwachsene
WELTBILD Erfolg im Beruf
WELTBILD Fitness + Schönheit
WELTBILD Hartwaren
WELTBILD Heim + Hobby
WELTBILD Internationale Hits
WELTBILD Internet-Käufer
WELTBILD Jokers
WELTBILD Junge Familien mit Kind
WELTBILD Käufer v. Lexiken u. Enzyklop.
WELTBILD Käufer von Diätkochbüchern
WELTBILD Käufer von Handarbeitsbüchern
WELTBILD Käufer von klassischer Musik
WELTBILD Käufer von Tierbüchern
WELTBILD Kino zu Hause
WELTBILD Kreative Beschäftigung
WELTBILD Kunst + Kultur-Genuss
WELTBILD Naturwissenschaft + Technik
WELTBILD Praktisches + Dekoration
WELTBILD Psychologie + Lebenshilfe
WELTBILD Rund um PC + Neue Medien
WELTBILD Sammler-Edition
WELTBILD Spannendes Zeitgeschehen
WELTBILD Unterhaltung + Entspannung
WELTBILD Urlaub + Reisen
WELTBILD Volkstümliche Klänge
WELTBILD Wirtschaftsratgeber+Fachbücher
Jokers
KIDOH

Unser Standpunkt: Wir sind davon überzeugt, dass personenbezogene Daten und dazu gehörende Adressangaben und Kundenprofile zweckgebunden nur in dem Kontext verwendet werden dürfen, in dem sie erhoben worden sind. Das bedeutet auch für Weltbild, dass sie ausschliesslich zur Abwicklung der Kundenbeziehung zum Einsatz kommen sollen. Die Weitergabe an Dritte auf dem Weg des Adress- und Datenhandels ist nur dann im Interesse der Betroffenen, wenn sie dem ausdrücklich und wissentlich zugestimmt haben (Opt In).

Sie wollen den Verkauf Ihrer Daten zukünftig verhindern, dann lassen Sie Ihre Daten löschen oder widersprechen Sie der Übermittlung an Dritte.

PS: SAFE-ADDRESS setzt sich dafür ein, dass Verbraucher selbst über die Verwendung ihrer Daten bestimmen, und empfiehlt, dass Kunden uch den kirchlichen Unternehmen den Handel mit ihren Adressdaten und Kundenprofilen verbieten. Dazu sind im Bundesdatenschutzgesetz wirksame Rechte verankert. SAFE-ADDRESS unterstützt Verbraucher dabei, ihre Rechte wahrzunehmen. Sie können gegenüber Unternehmen in die Datennutzung einwilligen, ihr widersprechen, Auskunft zu gespeicherten Daten anfordern und sie auch löschen lassen.

Dazu passende Artikel:

Teil 1: Kirchenunternehmen machen Profit mit Verkauf von Kundendaten (I)
Teil 2: Datenhandel durch Kirchenunternehmen – regionale Kirchenzeitungen (II)

DIE ZEIT als Datenverkäufer

TELE2 als Datenverkäufer

verpassen Sie zukünftig keinen Blogartikel und lassen Sie sie sich per Mail zusenden.

Advertisements

2 Gedanken zu „Katholische Kirche – weltlicher Datenhandel mit göttlichem Segen? (III)

  1. Pingback: Datenhandel durch Kirchenunternehmen – regionale Kirchenzeitungen (II) | SAFE-ADDRESS

  2. Pingback: Kirchenunternehmen machen Profit mit Verkauf von Kundendaten (I) | SAFE-ADDRESS

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s