Kinder im Focus von Datenhändlern (II/3)

© Manuel Tennert - Fotolia.com

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50 Prozent aller Neugeborenen sind bereits zu ihrer Geburt in Datenbanken erfasst und begehrte Objekte im Datenhandel. Was für die einen schon zu viel ist, ist für die anderen zu wenig. Datenhändler und Direktmarketer setzen viel daran, auch die noch fehlenden 50 Prozent zu bekommen sowie die Daten aktuell zu halten und mit weiteren Informationen anzureichern. Denn: Genauso rasch wie aus Babys Kinder werden, verändert sich auch das Konsumverhalten der Familien. Im gleichen Maß passen sich die Methoden der Werbewirtschaft und Datensammler an.

Während der Schwangerschaft und den ersten Monaten nach der Geburt stehen noch die Übergabe von Warenproben, Windelpacketen und Informationsmaterial durch Ärzte, Hebammen und Krankenschwestern im Vordergrund. Danach verlagern sich die Aktivitäten der Datenhändler auf andere Kanäle. Sie folgen jungen Familien:

  • in den klassischen Versand- und Einzelhandel,
  • in Online-Eltern-Ccommunitys,
  • zu Online-Händler,
  • über Gewinnspiele sowie
  • über „Mitmachaktionen“ für Kinder

und greifen dort die Daten ab.

Dazu reicht es, wenn ein Familienmitglied zum Beispiel eine Zeitschrift bestellt, sich auf einem Portal anmeldet, Kinder für Freizeitaktivitäten registriert oder Produkte im klassischen oder Online-Versandhandel einkauft. Dabei gibt es Adressdaten und weitere Informationen bekannt. Diese Daten können von dem betreffenden Unternehmen auf Basis des im Bundesdatenschutzgesetz verankerten Listenprivilegs im Hintergrund an Dritte verkauft werden. Den Betroffenen über diese Vorgehensweise zu informieren oder gar seine Einwilligung einzuholen, ist vom Gesetzgeber nicht vorgesehen. Diese verbraucherunfreundliche Regelung sollte bei der letzten Änderung des Bundesdatenschutzgesetzes im Jahr 2009 abgeschafft werden. Im Gesetzgebungsprozess haben jedoch die am Datenhandel Beteiligten ihren Einfluss geltend gemacht und die bereits erfolgte Streichung des Listenprivilegs in letzter Minute rückgängig machen lassen.

Die Daten von Kindern (Familien) die Kunden folgender Unternehmen werden über Datenhändler zum Kauf angeboten?

Versand-, Einzel- & Onlinehändler:

Baby-Walz, Humana, JAKO-O, KIDOH, KUF Reisen, walzkidzz, Weltbild, mytoys.de

Zeitschriftenverlage

FID Verlag – Zeitschrift „Lernen und Fördern mit Spaß“ , Gruner + Jahr Zeitschrift Eltern + Eltern family

– ABO-Service INTAN

Veranstalter von Gewinnspielen, Mitmachaktionen und Sportaktivitäten:

Ein Beispiel dafür, wie subtil die Datensammlung abläuft, wird aus den Angebotsblatt der Adressfit GmbH ersichtlich:

„Adressen stammen aus der Reaktion von Kindern auf Kindersendungen im SWR-Fernsehen. 38.000 stammen aus einem Aufruf zum Jogging, wobei die Minderjährigen gebeten wurden, einen Coach, einen Erwachsenen, der das Kind während des Laufes betreut (und also mitläuft) “ zu bestimmen (Ergänzung der Redaktion)“, 35.000 Kinder stammen aus einem Preisausschreiben einer Bastelfirma usw.“ Die Werbeunterlage war bis Mitte Januar 2013 über den Webauftritt des Unterbehmens verfügbar war. Inzwischen ist sie nicht mehr abrufbar und wir haben den Screenshot selbst eingestellt.

Meinung: Werbung für Produkte und Angebote für Kinder und Eltern sowie dazugehörige Vertriebskonzepte sind legitim. Der Verkauf der gewonnen Adressen an Dritte und das Kombinieren dieser Informationen mit anderen Datenbanken ist für den Verbraucher oft nicht nachvollziehbar und steht nicht im Zusammenhang mit dem Grund, für den er die Adresse bekanntgegeben hat. Die Adressen inklusive Konsumentprofilen finden so ihren Weg in die Profildatenbanken der Datenhändler. Dort beeinflussen sie ohne Wissen der Verbraucher beispielsweise über die Scoringverfahren Entscheidungen zum Lebensweg von Kindern und Eltern. Daten sollten deshalb nur zweckgebunden in der direkten Kundenbeziehung zwischen dem erhebenden Unternehmen und den Eltern eingesetzt werden.

Im nächsten Blogbeitrag geht es um den Verkauf der Daten an Dritte.

PS: SAFE-ADDRESS setzt sich dafür ein, dass es für Verbraucher einfacher wird, selbst über die Verwendung ihrer Daten zu bestimmen und ihre Rechte durchzusetzen. Über die folgenden Links gelangen Sie direkt zu den in diesem Artikel aufgeführten Unternehmensseite auf dem Portal. Dort können Sie unkompliziert Informationen zu gespeicherten Daten abfragen, sie löschen lassen bzw. der Nutzung zu Werbezwecken widersprechen aber auch in die Nutzung für vertragliche oder werbliche Kommunikation einwilligen.

Baby Walz, Humana, JAKO-O, walzkiddz, Weltbild, Intan (Die noch fehlenden Unternehmen werden aktuell in die Firmendatenbank eingepflegt und stehen in Kürze zur Verfügung)

siehe auch:

Der Jounalist Richard Gutjahr schreibt über über die Jagd auf die Adressen von Minderjährigen LobbyPlag: Die Datenfänger von Gütersloh

Schwangere, Säuglinge und Kinder im Focus von Datenhändlern (I/3) Thomas Knüwer

Armut als Geschäftsmodell: Datenhandel mit den Adresslisten der Armen

Datenhandel durch Kirchenunternehmen – regionale Kirchenzeitungen (II)

DIE ZEIT – Datenverkäufer vorgestellt

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Ein Gedanke zu „Kinder im Focus von Datenhändlern (II/3)

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