Preisvergleichsportale – Zweitvermarktung von Nutzerdaten im Adresshandel

© JiSIGN - Fotolia.com

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Die Rahmenbedingungen für den Datenhandel sind in Deutschland im Bundesdatenschutzgesetz geregelt. Und die meisten Unternehmen halten sich an die Regeln. Das nehmen wir zumindest an. Doch immer wieder fallen einzelne auf, weil sie sich scheinbar Recht und Gesetz nicht unterwerfen wollen. So erhebt etwa der sächsische Landesdatenschutzbeauftragte schwere Vorwürfe gegen die Unister-Unternehmensgruppe. Parallel berichten Medien immer wieder über neue Vorwürfe wie Steuerhinterziehung, gefälschte Preise und illegalen Adresshandel. Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen eingeleitet. Für uns Anlass, das Unternehmen näher zu betrachten.

Sichtbares Geschäftsmodell: Verkauf von Produkten und Dienstleistungen

Die Unister-Unternehmensgruppe ist als E-Commerce-Unternehmen auf die Vermarktung von Dienstleistungen und Produkten über Internetportale spezialisiert. Auf branchespezifischen Portalen werden Reisen, Flüge, Finanzdienstleistungen und Immobilien verkauft. Eine Partnervermittlung, Shopping-Seiten, Internetauktionen, ein Autoportal, Nachrichten- und Preisvergleichsportale komplettieren das Angebot. Kernprinzip aller Plattformen ist es, Verbraucher bei ihrer Suche nach Produkten auf die Portale von Unister zu leiten und dort die Produkte oder Dienstleistungen von Drittanbietern zu vermarkten. So suchen Verbraucher zum Beispiel nach Flügen und möchten dabei nicht jede Fluggesellschaft einzeln abfragen. Sie nutzen das Portal www.Fluege.de und bekommen dort einen Überblick über die Angebote vieler Fluggesellschaften zu der gesuchten Flugstrecke. Wenn sie sich für einen Flug entscheiden, dann buchen und bezahlen sie diesen über das Fluege.de-Portal und werden dadurch Kunde der Fluggesellschaft. Das Portal erhält für die Vermittlung eine Provision.

Unister Unternehmensstruktur

Mit diesem Geschäftsmodell ist Unister zu einem der größten deutschen E-Commerce-Unternehmen geworden. Im Ranking der Arbeitsgemeinschaft Online Forschung (AGOF) steht die Unternehmensgruppe mit rund 11 Millionen Unique User zusammen mit Axel Springer, Yahoo! Deutschland und Ebay unter den TOP 20.

Geschäftsmodell im Hintergrund: Verkauf von Nutzerdaten

Parallel zu dem oben beschriebenen Geschäftsmodell arbeitet ein zusätzliches Geschäftsmodell im Hintergrund: Bei der Anmeldung oder während der Nutzung der Portale geben Verbraucher in der Regel die Einwilligung, dass ihre Daten über den eigentlichen Auftrag hinaus genutzt werden dürfen. Besonders deutlich wird das auf dem Portal www.preisvergleich.de. Hier geben die Nutzer ihre Daten grundsätzlich unter anderm für Gewinnspieleintragungservice, Adresshändler und Marktforschung frei.

 unister einwilligung werbung IIIQuelle: Datenschutz-Verpflichtung auf www.preisvergleich.de

Darüber hinaus geben Nutzer bei Kreditvergleichen auf http://www.preisvergleich.de ihre Daten zusätzlich an das Schwesterunternehmen geld.de mit umfangreichen Einwilligungen. So werden dabei Unternehmen vom Bankgeheimnis entbunden, die Abfrage von Bonitätsinformationen bei Auskunfteien wird freigegeben, und Nutzer verzichten auf die Benachrichtigungsverpflichtungen durch Unternehmen. Letztere sind zum Schutz des Verbrauchers extra in die Gesetzgebung eingearbeitet worden. Diese Regelungen werden so ausgehebelt.  Zusammen mit den anderen Einwilligungen, die laut Datenschutzerklärung abgegeben werden, ist das im Prinzip eine Art Generalvollmacht für den Zugang zu sensiblen personenbezogenen Daten.

Unister Einwilligung II

Quelle: http://www.geld.de/html/datenschutz-geld-kredit.htm

Inwiefern dieses Geschäftsmodell gesetzlichen Vorgaben widerspricht, prüfen zur Zeit der Landesdatenschutzbeauftragte von Sachsen und die Staatsanwaltschaft.

Ihr gutes Recht auf Löschung und Widerruf der Nutzung personenbezogener Daten

Kunden der Unister-Grupper haben jedoch unabhängig davon das Recht, ihre Daten löschen zu lassen oder gegen den Handel mit ihrer Adresse zum Zweck der Werbung oder Marktforschung zu widersprechen. So können Sie von dem Portalbetreiber nur npch für die konkret angefragte Dienstleistung zweckgebunden genutzt werden.

SAFE-ADDRESS unterstützt den Verbraucher dabei, diese Rechte wahrzunehmen. Falls Sie eines oder mehrere der Unister-Portale genutzt haben, können Sie es anklicken und entscheiden, wie das Unternehmen zukünftig ihre Daten verarbeitet darf.

ab-in-den-urlaub.de Aktienchancen.de
auto.de auvito.de
boersennews.de dsl.de
fluege.de flug24.de
GELD.de GmbH HolidayReporter GmbH
hotelreservierung.de impuls Finanzmanagement AG
Kredit.de Kurz Mal Weg GmbH
myimmo.de news.de
partnersuche.de Preisvergleich.de AG
Reisen.de Service GmbH RMK Billigfluege.de GmbH
Travel24.com AG U-Deals GmbH (ab-in-den-urlaub-deals.de)
webmail.de

PS: SAFE-ADDRESS setzt sich dafür ein, dass Verbraucher selbst über die Verwendung ihrer Daten bestimmen, und empfiehlt, dass Betroffene den Handel mit ihren Adressdaten und Kundenprofilen verbieten. Dazu sind im Bundesdatenschutzgesetz wirksame Rechte verankert. SAFE-ADDRESS unterstützt Verbraucher dabei, ihre Rechte wahrzunehmen. Sie können Unternehmen die Datennutzung erlauben, ihr widersprechen, Auskunft zu gespeicherten Daten anfordern oder sie auch löschen lassen.

Update 05.08.2013:

Das sächsische Oberverwaltungsgericht hat Mitte Juli entscheiden, dass das Leipziger Online-Unternehmen Unister dem sächsischen Datenschutzbeauftragten umfassend Auskunft erteilen muss. Unister hatte dagegen geklagt und diese Klage nun verloren. (Meldung auf Heise.de)

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