Zeig‘ der „Drosselkom“ die Rote Karte!

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Nicht nur protestieren, sondern handeln gegen das Zwei-Klassen-Netz der Telekom

Wenn die Telekom die Netzneutralität für unsere Internet-Zugänge aufhebt, dann verbieten wir ihr, unsere Daten für Werbung und Weitergabe zu nutzen.

Wer seinem Protest gegen die Pläne der Telekom Deutschland, die Netzneutralität bei seinem Internetzugang zu verletzen, Nachdruck verleihen will, kann das jetzt ganz einfach über eine Aktions-Webseite drosselkom.safeaddress.de der Datenschutzzentrale SAFE-ADDRESS tun: Mit wenigen Klicks kann er die Telekom Deutschland auffordern, ihn über die von der Telekom gespeicherten Daten zu informieren, und es dem Unternehmen verbieten, diese Daten für Werbung und Marktforschung zu nutzen. Das ist weit mehr als nur ein verbaler Protest – denn Kundendaten sind längt zu einem besonderen Wert in der Wirtschaft, insbesondere auch Telekommunikationsbranchen aufgestiegen.

Nach Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) ist die Telekom verpflichtet, Kunden auf Anfrage einmal im Jahr kostenlos über die von ihr gespeicherten personenbezogenen Daten zu informieren (§ 34 BDSG). Außerdem muss sie akzeptieren, wenn ein Kunde der Nutzung seiner Daten für Werbung und Marktforschung widerspricht (§ 28 BDSG).

Um Auskunfts- und Widerspruchsauftrag an die Telekom zu senden, ist keine Registrierung auf SAFE-ADDRESS erforderlich. Der protestierende Telekom-Kunde braucht einfach nur seine E-Mail-Adresse einzugeben, damit er über den Verlauf der Kampagne informiert werden kann. Danach noch Adresse und Telefonnummern oder Vertragsnummern der Telekom eingeben, damit diese die Daten des Kunden richtig zuordnen kann. Fertig.

„Jeder kennt das Gefühl der Ohnmacht gegenüber großen Konzernen“, sagt Christian Merten, Vorstand der Genossenschaft zur Wahrung von Nutzerinteressen eG, die mit der internetPost AG die Datenschutzzentrale SAFE-ADDRESS betreibt. „Doch so ohnmächtig sind wir Verbraucher nicht. Wenn wir uns gemeinsam zu Wort melden und handeln, dann hören auch große Unternehmen zu. Dass die Telekom darüber entscheiden will, welche Daten im Internet ungebremst durch die Leitungen fließen und welche nicht, ist ein harter Eingriff in die Freiheit des Netzes. Das halten wir für inakzeptabel.“

Ähnlich sieht es der für Kultur und Medien zuständige Staatsminister im Kanzleramt Bernd Neumann. Er sagt zu den Plänen der Telekom: „[…] solche Entscheidungen können zu massiven Verzerrungen im Wettbewerb der Inhalteanbieter führen. […] Das können wir im Sinne von Vielfalt und Chancengleichheit nicht wollen. Es muss grundsätzlich gewährleistet sein, dass alle Anbieter im Netz die gleichen Chancen haben.“ (Quelle: Pressemitteilung der Bundesregierung, Staatsminister Neumann bei CDU-Media-Night: „Keine Zweiklassengesellschaft im Netz!“)

„Verbraucher bekommen über unsere Plattform ein starkes Werkzeug in die Hand, mit dem sie der Telekom ihren Wert als Kunden vorführen und entziehen können“, sagt Andreas Schumann, Vorstand der internetPost AG. „Niemand braucht aus Protest gegen Unternehmensentscheidungen gleich seine Verträge zu kündigen – das zieht in der Regel großen Aufwand nach sich. Aber er seine Datenschutzrechte nutzen, um zu erfahren, was die Telekom mit seinen Daten macht. Das wird das Unternehmen wahrscheinlich veranlassen, über den Umgang mit Daten neu nachzudenken. Vielleicht bringt das die Telekom dazu, den Wert der Netzneutralität zu erkennen.“

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3 Gedanken zu „Zeig‘ der „Drosselkom“ die Rote Karte!

  1. Generell und grundsätzlich keine schlechte Idee, auch ohne die Ankündigung der Drosselung.
    Fraglich ist aber, warum keine Textvorlagen und Adressen angeboten werden. Stattdessen soll man unbedingt mit seinen persönlichen Daten hier hausieren gehen und weiß nicht wirklich, was mit den Daten angestellt wird. Da schreibe ich mir Auskunftsersuchen und Weitergabeverbot doch lieber selbst.
    Datenschutz ist halt auch Vertrauenssache. 😉

    Apropos Datenschutz…
    Wer hat mich eigentlich vorher um Erlaubnis gefragt, meine (mehr oder weniger) persönlichen Daten zu erheben und zur Speicherung weiterzuleiten?
    Vielleicht möchte ich gar nicht, dass Datenkraken wie Facebook erfahren, dass ich diese Site besucht habe. Und welche Daten erhebt quantcast.com von mir?
    Wenn hier „meine Daten“ propagiert wird, hätte man dann nicht konsequenterweise den Besucher vor jeglicher Datenerhebung um Erlaubnis fragen müssen – zumindest aber einen deutlichen Hinweis geben müssen?
    Wasser predigen aber Wein saufen… 😉

    • Natürlich ist Datenschutz Vertrauenssache. Deshalb liegen bei SAFE ADDRESS die Daten bei der Genossenschaft zur Wahrung von Nutzerinteressen, an der sich grundsätzlich jeder beteiligen kann und nach guter Genossenschaftstradition Selbstverwaltung und Selbsthilfe im Zentrum stehen. So kann nur das mit den Daten geschehen, was die Genossenschafter beispielsweise auf ihrer Generalversammlung beschließen. Damit sind sie vor einer Übernahme durch andere Unternehmen gut gesichert.
      Wir haben genau deshalb dieses Konstrukt so gewählt.
      In einem Punkt liegen Sie falsch: Die Adressen der Unternehmen sind jeweils bei den Profilen veröffentlicht. Der Hinweis, wir könnten Textvorlagen veröffentlichen, ist gut und richtig. Wir überarbeiten gerade unsere Webseite. Dabei wollen wir das berücksichtigen.
      Auf SAFE ADDRESS speichert Facebook keine Daten von Ihnen, wenn Sie Facebook dazu keine Erlaubnis erteilt haben. Wir achten darauf, dass das auch nicht anders läuft.
      Und noch zur Information: quantcast.com arbeitet für wordpress.com, das Blogsystem hier. Mit SAFE ADDRESS hat das nur insofern zu tun, als dass unser Blog dort gehostet wird. Unsere eigentliche Plattform hat nichts mit quantcast.com zu tun.
      Im Übrigen speichern wir keine personalisierten Daten ohne Zustimmung der Nutzer. Das ist ein wesentliches Prinzip unserer Tätigkeit.

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